Fragetechnik Teil 9 – die Wunderfrage

Die Wunderfrage ist eine der Fragetechniken, die von den Begründern der lösungsorientierten Kurzzeittherapie, Steve de Shazer und Insoo Kim Berg, entwickelt wurden. (vgl. Fragetechnik Teil 8 – Lösungsfokussiertes Fragen). Seit ihrer Erfindung ist sie in Therapie- und vor allem Coachingprozessen weltweit unzählige Male gestellt und immer weiter verfeinert worden. Überlegt, langsam, bedeutungsvoll und durchaus ein wenig dramatisch soll sie gestellt werden, um zu vermitteln, dass jetzt etwas Ungewöhnliches beginnt. Beispielsweise so:

„Ich möchte Ihnen jetzt eine ungewöhnliche und auch ein wenig schwierige Frage stellen. Es braucht etwas Fantasie, sie zu beantworten. Stellen Sie sich vor, Sie gehen heute abend nach Hause, alles ist wie immer, Sie essen, vielleicht schauen sie noch ein wenig fern oder lesen etwas, und dann legen Sie sich schlafen. Und während Sie schlafen und das ganze Haus ruhig ist, geschähe ein Wunder. Und das Wunder bestünde darin, dass das Problem gelöst ist, einfach so! Aber weil Sie schlafen, wissen Sie nicht, dass das Wunder geschehen ist. Wenn Sie also morgens aufwachen, und niemand sagt Ihnen, dass das Wunder geschehen ist, woran würden Sie dann merken, dass das Wunder eingetreten ist? Was wäre jetzt anders? Was noch? …“ (a)

Die Wunderfrage eröffnet einen Prozess, in dem mögliche Problemlösungen imaginiert werden. Sie ist besonders in Situationen hilfreich, die von den Betroffenen als verfahren und aussichtslos erlebt werden. Im wirtschaftlichen Kontext leistet sie vor allem in der Personalentwicklung unschätzbare Dienste und hat schon viele Menschen vor unüberlegten, selbstschädigenden Schritten wie Kündigungen oder Ausbildungsabbrüchen aufgrund empfundener Ausweg- und Perspektivlosigkeit bewahrt. Und selbst im Vertrieb gibt es versierte, kreative Anwender, die die Kraft der Wunderfrage zu ihrem und dem Nutzen ihrer Kunden einsetzen. So hat mir vor einiger Zeit ein Architekt erzählt, dass er seinen Kunden mit Hilfe der Wunderfrage den Weg zu ihrem Traumhaus eröffnet…

(a) angelehnt an Peter de Jong/Insoo Kim Berg, „Lösungen (er)finden; Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurzzeittherapie“,verlag modernes lernen, Dortmund, 7. Aufl. 2014, S 157, und Astrid Haltmeyer, Seminarskriptum „Grundlagen der LeSo“, T. 1, Wien, 2017, S 29.

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